Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungen für unsere Vögel

oder

 

"Man kann auch alles übertreiben"

 

Am Samstag erhielt ich einen Anruf. Eine Papageienhalterin machte sich Sorgen um ihr Grünzügelweibchen. Sie wollte wissen, wie sie am besten mit der bevorstehenden Geschlechtsreife umgehen sollte. Ihre Frage konzentrierte sich darauf, ob sie einen Nistkasten anbieten sollte oder besser nicht. Da ihr einmal ein Sittichweibchen an Legenot verendet war, war sie beunruhigt.

 

Das Gespräch hatte begonnen mit: „Ich habe da mal eine einfache Frage.“ Jedoch gibt es zu dem, was die Anruferin bewegte, keine einfache Antwort. Und das sagte ich ihr auch, denn um seriös beraten zu können, muss ich ein möglichst genaues Bild von ihrer Haltung und ihren Vögel erhalten. Ich gab mein Bestes und möchte vorausschicken, dass ich Samstags in der Regel Büroarbeiten erledige, für die unter der Woche einfach zu wenig Zeit und Ruhe bleibt.

 

Die Anruferin erschien mir aber wirklich sehr besorgt, deshalb schob ich meine dringlichen Angelegenheiten zur Seite. In dem ausführlicher werdenden Gespräch erfuhr ich einiges über die Haltung. Und in der Tat gab es hier dringenden Handlungsbedarf. Wir sprachen über Volierengröße, UV-Beleuchtung und Nahrungsergänzungen. Ich erklärte, was passieren kann, wenn aus meiner Erfahrung, essenzielle Ansprüche von Papageien an die Haltung, dazu gehört auch die Ernährung, unterschätzt werden.

 

Leider endete das Gespräch wenig erfreulich mit: "Man kann auch alles übertreiben."

 

Schade, dass ich bei der Anruferin nicht die richtigen Worte gefunden hatte. Das passiert.

Und das passiert, wenn man nicht weiß, was alles zur gesunden Ernährung von Vögeln gehört… 

 

Viele Halter wissen nicht, warum man Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren ergänzen muss. Sie denken: „Ich füttere doch abwechslungsreich und bestes Körnerfutter und/oder Pellets/Extrudate. Außerdem fressen meine Vögel reichlich Obst und Gemüse, das muss doch reichen.“

 

Die Antwort ist einfach:

Wir müssen die Ernährung unserer Vögel mit Vitaminen, Mineralstoffen und Aminosäuen ergänzen, weil unsere Vögel über die angebotene Nahrung nicht alle essenziellen Mikronährstoffe erhalten oder aufnehmen. Das liegt daran, dass wir das natürliche Futterangebot nie ganz erreichen und auch an Fütterungsfehlern, Haltungsdefiziten, Stress oder auch Erkrankungen. 

 

Woran erkennt man einen Vitaminmangel? 

Vorab - bis ein Vitaminmangel beim Vogel erkennbar wird, leidet der Organismus bereits längere Zeit. Die jetzt erkennbaren Symptome zeigen bereits entstandene Schäden. Je nach Dauer und Intensität des Mangels kann es leider auch zu irreparablen Schäden kommen.

Das Problem bei Vogelpatienten ist, dass Symptome nicht immer eindeutig sind und so auch nicht direkt auf einen bestimmten Vitaminmangel hinweisen.

 

Hypovitaminose-A:

Ein Mangel an Provitamin-A kann das Immunsystem schwächen. In der Folge kann es zu bakteriellen Infektionen kommen, aber der Vogel wird auch anfälliger für eine Aspergillose oder ein Virusgeschehen im Organismus. Das bedeutet, er steckt sich leichter an oder, wenn er Träger eines Virus ist, kann es zum akuten Verlauf kommen. 

 

Ebenfalls Zeichen für eine Hypovitaminose-A, die Haut am Schnabel und der Wachshaut verändert sich. Auf der Schleimhaut können sich gelbe Flecken (Granulome) bilden. 

Die Haut der Ständer und am Körper kann trocken und schuppig wirken. Das Gefieder wirkt ungepflegt, struppig, bricht schnell und kann seine Farbe ändern. Anzeichen einer Erkältung können ebenfalls auf einen Mangel weisen. Das sind längst nicht alle Symptome, aber die wichtigsten.

 

Ein akuter Vitamin B-, Vitamin E- oder Selen-Mangel zeigt folgende Symptome:

Hier kommt es häufig zu Streckkrämpfen (Opisthotonus) und unkoordinierten Bewegungsabläufen. Viele Vögel zittern auch oder krampfen. In besonders schlimmen Verläufen kommt es zu Lähmungen.

 

Ein Vitamin D- und Kalzium-Mangel äußert sich häufig durch folgende Symptome:

Es kommt zu Skelettmissbildungen. Aber auch neurologische Probleme wie Muskelzittern und Krämpfe können auftreten und auch die Legenot, welche ein lebensgefährliches Risiko darstellt.

 

Was bedeutet ein Mangel an Aminosäuren für den Organismus?

Kommt es zu einem Defizit bei den Aminosäuren, kann dies das Immunsystem empfindlich schwächen und es kann auch zu Verhaltensauffälligkeiten kommen. Bleiben wir bei den Aminosäuren. Hier spielt das Glutamin wahrscheinlich eine zentrale Rolle für das Immunsystem. Ein niedriger Plasmaglutaminspiegel beeinträchtigt die Funktion des Immunsystems. Ein Mangel an den verzweigtkettigen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin, aber auch der anderen essenziellen Aminosäuren Phenylalanin, Tryptophan, Methionin, Lysin und Threonin, kann durch sinkende Plasmaglutaminspiegel das Immunsystem empfindlich stören. 

 

Jeder Futterbestandteil besitzt ein anderes Aminosäurenprofil. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass einzelne essenzielle Aminosäuren für die Synthese der körpereigenen Proteine nur begrenzt zur Verfügung stehen. Wie gut ein, über die Nahrung zugeführtes, Protein für die körpereigene Proteinsythese verwertet werden kann, ist abhängig davon wie gut der Organismus mit Aminosäuren versorgt ist. Um körpereigene Strukturen zu erhalten, ist die angemessene Zufuhr von hochwertigem pflanzlichem Eiweiß sowie die Versorgung mit Aminosäuren auch für unsere Vögel essenziell. 

 

 

Was verursacht ein Mangel an Mineralstoffen?

Zunächst einmal sind Mineralstoffe in zwei Gruppen zu unterteilen. Die Mengeelemente: Kalzium, Magnesium, Kalium und Natrium und die Spurenelemente: Eisen, Molybdän, Jod, Zink, Kupfer, Selen und Fluor. 

 

Grob gesagt, benötigt der Organismus einige Mineralstoffe in Mengen und andere eben nur in Spuren. 

 

Mineralstoffe erfüllen eine Vielzahl an Aufgaben im Organismus. Sie transportieren Aminosäuren und Glukose. Sie regulieren den Blutdruck und sind Boten für Nährstoffe und dienen dazu elektrische Impulse zwischen Nervenzellen auszutauschen. Sich mit dem Stoffwechsel auseinander zusetzen, kann wirklich spannend sein und man kann sich viel leichter vorstellen, wenn der Mineralstoffhaushalt schlecht aufgestellt ist, wird dies die Gesundheit unserer Vögel stark beeinträchtigen. Das Problem ist, dass ein Mineralstoffmangel, wie auch ein Vitaminmangel oder ein Mangel an Aminosäuren sich nur schleichend bemerkbar macht. Zeigen sich erste Symptome äußerlich, leidet der Vogelorganismus bereits seit längerem und kann ernsthaften Schaden genommen haben. 

 

Aber auch Haltungsfaktoren gilt es zu beachten. Um auf die Frage der Anruferin zurückzukommen, wenn ich das natürliche Verhalten des Sexualtriebs meiner Vögel berücksichtigen möchte, also das heißt, wenn ich es zulassen will, dann muss ich auch entsprechende Haltungsanforderungen erfüllen. Wenn ich Sorge habe, eine Legenot könnte entstehen, dann ist es hilfreich sich mit Ernährung, der Versorgung an Makro- und Mikronährstoffen zu beschäftigen und zu lernen, was im Vogelkörper passiert und was er wirklich benötigt. 

 

Vögel, die ausschließlich im Wohnraum gehalten werden und keinen ungehinderten Zugang zu natürlichem Sonnenlicht erhalten, etwa durch ein Fenster, dass mittels eines Außengitters gesichert ist, benötigen als Ersatz UV-Lampen und ich muss besonders auf die Vitamin-D Versorgung achten. Und last but not least, muss ich für meine Vögel auch angemessen viel Platz schaffen.

 

Experten wie vogelkundige Tierärzte sagen das 80 bis 90% der Erkrankungen bei Vögeln auf Fehler in der Ernährung zurückzuführen sind. Sprechen wir von auffälligen Verhalten wie Beißen, Problemen bei der Vergesellschaftung, Partnerunverträglichkeit oder auch aggressives und unzuverlässiges Verhalten gegenüber dem Menschen, dann ist zu 80% eine Fehleinschätzung des tatsächlichen Platzbedarfs die Ursache.

 

Wer sagt also, das die Papageienhaltung einfach ist? Berücksichtigt man dies, dann weiß man auch, dass die „einfache Frage“ meiner Anruferin keineswegs einfach war. Wer seine Vögel gesund halten möchte und zwar an Körper und Geist muss Haltung ganzheitlich sehen.

Ich sage immer Rom ist nicht an einem Tag erbaut. 

 

Ich schließe diesen Blogbeitrag mit den Worten von Platon :

"Es ist keine Schande nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen."

Und so lerne ich auch jeden Tag dazu. Es ist schön ein Teil des Prozesses zu sein, dass sich die Sittich- und Papageienhaltung weiter entwickelt. Gesunde, zufriedene und fröhliche Vögel danken es uns mit einem schönen Verhalten.

 

Ich bitte darum, wenn jemand Hilfe und Rat benötigt, wenn es irgend geht, zwischen Montags und Freitags anzurufen und auch zu bedenken, dass ehrliche Antworten zunächst einmal nicht unbedingt einfach sind, weder für den der sie von mir erhält, noch für mich. Damit ich seriös und mit den richtigen Worten antworten kann, ist es hilfreich einen Termin zu vereinbaren. Je nach Komplexität des Problems, möchte ich mich auf das Gespräch vorbereiten, damit ich auch wirklich helfen kann.  

 

In diesem Blog erhaltet ihr ganz viel Input, völlig kostenfrei. In unseren Ausgaben der Papageienzeit findet ihr ebenfalls viele weitere wertvolle Informationen, die unsere Experten für euch zusammentragen. Wenn ihr aber individuelle Hilfe benötigt, dann vereinbart einen Termin unter: 06592-5895610 oder info@aras-medien-und-handel.de

Das Zoom-Meeting zum Thema Aspergillose mit Dr. Budde ist leider ausgebucht. 

 

Im April behandeln wir dann gemeinsam, Dr. Sophie Budde und ich, „ernährungsbedingte Erkrankungen“. Meldet euch hierzu bitte zeitig genug unter www.papageienzeit-shop.de an, damit eure Teilnahme auch sicher ist. 

 

 

In diesem Sinne,

ich hoffe, ihr lest mich bald wieder ;) oder wir sehen uns im Zoom-Meeting oder bei einer Online-Beratung der über das Papageienzeit-Magazin.

 

Eure Claudia Schlüter